Ökologisch & modern bauen? So geht’s!

In Permakultur by Ralf1 Comment

Weit weg von Hippie-Hausen.

Ökohaus mit hohem Designanspruch? Geht! Und zwar so:

 

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Mit welchen Materialien umgeben wir uns? Wie gestalten und bauen wir unseren Wohnraum? Andrea und Hannes, beide selbstständig im Bereich Design & Illustration, wollen es perfekt machen und trotz hohem Nachhaltigkeitsanspruch sicherstellen, dass das Ergebnis nicht nach „Hippie-Heim“ aussieht. Ein ganzheitlich ökologisches Designhaus zu bauen, das ist das Ziel! Auf ihrem Blog www.place-to-be.at dokumentieren sie den Bauprozess Schritt für Schritt. Hier erzählen die beiden von ihrem Projekt und zeigen, was ökologische Baustoffe so drauf haben!

 

Klein aber fein! Aber wie?

Zuallererst – noch bevor wir unser Grundstück entdeckt und gekauft haben – haben wir beschlossen genau zu überdenken wie viel Platz wir wirklich zum Wohnen benötigen. Das Resultat langer Diskussionen: 100m² Wohnraum und 20m² Bürofläche, da wir beide selbstständig sind – Das ist völlig ausreichend unserer Meinung nach!

Unser kleines Fleckchen Erde weist ein steiles Gefälle auf, für einen Keller waren wir nur wenig zu begeistern da sich erfahrungsgemäß immer viel Krimskrams in solchen Räumen sammelt. Darum die Entscheidung zu einer Bohrpfahlgründung, damit so wenig wie möglich in die Natur und den Hang eingegriffen werden muss. Bei der Tiefgründungsweise wird in liegende Bodenschichten vorgedrungen, um eine höhere Tragfähigkeit zu erreichen. Die Bohrlöcher werden mit Beton ausgegossen, der anschließend ca. 3 Wochen aushärten muss. Die feuerverzinkten Stahlstützen (sogenannte Piloten) werden dann am Bohrpfahlfundament befestigt.

Die optisch schwebende Wohnbox die von den Piloten getragen wird, wird mit einem Holzriegelbau gefertigt. Danach wird Stroh eingeblasen und so werden Bodenplatte, Wohnraum und Dachkonstruktion gedämmt. Im Innenraum sorgen natürliche Materialien wie Tonputz, Holz und Stroh für ein angenehmes und gesundes Wohnraumklima.

 

Unsere ökologischen Baustoffe!

einblasdämmung_stroh

Dämmen mit Stroh

Unser Haus dämmen wir mit einer Einblasdämmung, die aus 100% Weizenstroh besteht. Bei Stroh handelt es sich um verholzte trockene Halme verschiedener Getreidearten. Es gilt allgemein als Nebenprodukt der Lebensmittelerzeugung und bringt oftmals sogar Entsorgungsprobleme mit sich. Gerade dieser Punkt war entscheidend, warum wir Stroh als Dämmmaterial so passend fanden! Es muss nicht explizit produziert werden, sondern ist vielmehr ein Abfallprodukt mit positiven Dämmeigenschaften. Stroh als Dämmmaterial schont die Umwelt und erschließt auch regionalen Landwirten neue wirtschaftliche Perspektiven.

 

Schon lange werden Häuser mit Stroh in Form von Ballen gedämmt, was uns aber als zu aufwändig erschienen ist. Daher: Das Einblasverfahren von Stroh! Gleich wie Zellulose oder Holzfasern kann es nahezu in jede Konstruktion eingeblasen werden. Durch den Einblasprozess wird das Stroh in verdichteter Form in die Bauteile gefüllt, ohne Lücken und Setzungsgefahr. Stroh dehnt sich sogar natürlich aus und garantiert dadurch nochmals mehr Setzungssicherheit. Vor allem durch die hohe Einbringdichte sorgt Stroh für einen sommerlichen Hitzeschutz, schützt im Winter vor Kälte und bietet hervorragenden Schutz gegen Schall. Das Resultat ist ein ganzjährig behagliches Gefühl in den eigenen vier Wänden – ohne schädliche Stoffe und mit minimalem Fußabdruck!

 

Die meisten Bedenken hatten wir in Bezug auf das Brandverhalten, Schimmel und Ungeziefer. Stroh enthält jedoch von Natur aus Silikate und gerade deshalb ist die Entflammbarkeit ganz natürlich herabgesetzt. Weder Salze noch Brandhemmer müssen beigesetzt werden und das Stroh wird in reinster Form, ohne chemische Mittel verarbeitet. Was Ungeziefer und Nager betrifft so ist Stroh äußerst nährstoffarm und dient so gut wie keinem Lebewesen als Nahrungsquelle.

 

Auch oft unbeachtet: Was passiert mit dem Dämmmaterial, sollte das Haus mal nicht mehr stehen? Das wird beim Hausbau gerne vergessen! Wenn unser Haus irgendwann wieder abgetragen werden soll, ist die Dämmung zu 100% abbaubar oder könnte sogar als Pferdeeinstreu genutzt werden. Upcycling vom Feinsten!

 

>> mehr Infos zu alternativen Dämmstoffen findet ihr in unserem Blogbeitrag „Dämmstoffparade-wir stellen vor!“

 

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Strohbauplatten für den Innenausbau

Anstelle von Gipskartonplatten werden wir für den Innenausbau Strohbauplatten verwenden. Was aber spricht gegen herkömmliche Gipskartonplatten? Gips sorgt zum einen für ein unbehagliches Raumluftklima, da dieser der Luft Feuchtigkeit entzieht und zum anderen bringen Gipskartonplatten große Entsorgungsprobleme mit sich. Die Strohbauplatte hingegen bietet eine ökologische Alternative, da diese rein aus verpressten Stroh besteht. Der Mehrwert den die Strohbauplatte aufgrund der organischen Faserstruktur mit sich bringt ist, dass diese durch ihr Sorptionsverhalten eine sehr positive Raumluftfeuchte erzeugt und Schall dämmt. Die Verarbeitung der Platte ist durch Laien möglich und kann mit den meisten gängigen Maschinen einfach in die gewünschte Form und Größe geschnitten werden. Nach der Verarbeitung kann die Strohbauplatte mit allen gängigen Oberflächenmaterialien bearbeitet werden. Damit wir ein besonders angenehmes und gesundes Wohnraumklima erreichen wird bei uns mit Ton verputzt.

 

strohbauplatten

 

Ton in Ton – Tonverputz für die Wände

Für unsere Wände haben wir uns für Tonputz entschieden, Ton ist im Grunde die noch reinere Form im Vergleich zu Lehm, aber gut – Beide sorgen für ein gesundes Klima im Wohnraum!

>> mehr zum Thema Lehm gibt’s hier!

 

Die meisten von uns verbringen viel Zeit zu Hause, darum ist es umso wichtiger auf die Materialien die unmittelbar in unserer Umgebung sind zu achten. Tonputze und Tonfarben sorgen durch die natürliche Regulierung der Luftfeuchtigkeit für eine gesunde Umgebung. Der Baustoff weist hohe Atmungsaktivität auf und kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Auch für den sanitären Bereich ist Tonputz bestens geeignet, da er aufgrund der Feuchteregulierung Schimmel vorgebeugt. Ton hat auch eine luftreinigende Wirkung und ist antistatisch was die Staubbildung im Innenraum minimiert.

Dieses wohlige Gefühl beim Betreten eines Raumes der mit Stroh gedämmt und mit Ton verputzt wurde, ist übrigens auch sofort spürbar.

 

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Holz für den Außen- und Innenraum

Unser Haus wird als Holzriegelkonstruktion geplant und gefertigt. Holz kommt auch als Material im Außen- wie Innenraum zum Einsatz. Die Auswahl und die Entscheidung für Holz als Baustoff war für uns im Grunde sehr schnell klar, da Holz in Österreich nachhaltig produziert und verarbeitet werden kann. Hinzu kommt, dass Bäume der Luft CO2 entziehen und natürlich nachwachsend sind. Im Vergleich zu anderen Baustoffen fühlt sich Holz außerdem warm an und verursacht in weiterer Folge so gut wie keine Entsorgungskosten, da es in unbehandelter Form abbaubar ist. Holz kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und ist somit ein weiterer Baustoff in unserem Haus der für ein reguliertes Klima im Wohnraum sorgt.

Holz hat auch einen großen Einfluss auf unsere Konzentrations- und Regenrationsfähigkeit. Dazu gibt’s auch eine spannende Studie, die sehr genau den Unterschied zwischen natürlich gebauten Räumen und konventionellen Räumen zeigt.

Die Studie* lief so ab: Jeweils zwei Klassenräume – einmal mit Massivholz ausgestattet (Eichenparkett, Tannendecken, Fichtewänden) einmal konventionell renoviert mit Rigips und Co. Mit den 52 in den Klassen lernenden Schülern wurden dann Vergleichsmessungen und Befragungen durchgeführt, und zwar über insgesamt 10 Monate. So konnten die Langzeitwirkungen untersucht werden

Die Ergebnisse sind beeindruckend:

  • Die Herzfrequenz sank in den Holzklassen um ca. 7 %.
  • Der herzschützende Vagustonus stieg signifikant an.
  • Nach den Ferien stieg die Herzfrequenz in den normalen Klassen an, in den Holzklassen sank sie sogar unter das Ferienniveau.
  • Die Leistungsfähigkeit in den Holzklassen wurde tendenziell verbessert. Die Konzentrationsfähigkeit stieg leicht an.

Wenn’s in der Schule gilt, funktioniert das auch um Wohnraum bzw. im eigenen Büro!

 

Gesundes und angenehmes Wohnraumklima – live erleben!

Die genannten Baustoffe sind nicht nur nachhaltig und ökologisch vertretbar, sondern sie sorgen auch für ein behagliches Wohngefühl. Man spürt den Unterschied!

Gerne laden wir alle Interessierten nach Bauabschluss zu einem netten Gespräche zu uns nach Hause ein, bis dahin muss noch fleißig gebaut werden.

 

Andrea und Hannes

 

placetobe

 

Gemeinsam auf dem Weg zur Autarkie

Andrea und Hannes sind schon mittendrin – in ihrem ökologischen Wohnprojekt. Was planst du? Je nach deinen Zielen und Bedürfnissen begleiten wir dich gerne auf dem Weg mit Planung und Beratung sowie den richtigen Produkten! Meld‘ dich doch bei uns – wir beraten dich gerne!

Schon entdeckt? Unser Tiny Autarkieset bietet in einem Gesamtpaket alles, um dein Tiny House autark zu versorgen. Schau rein!

 

 

Das erwartet dich demnächst! Ökologische Baustoffe – Teil 2

Neben Stroh, Ton und Holz gibt es noch weitere natürliche Alternativen. Davon wollen wir euch im nächsten Beitrag berichten. Seid gespannt!


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Quelle

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