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29 Mrz 2020

Permakultur zu Hause 2: Die 17 Nothelferchen

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Kräutergrün im Frühling

von Marlies Ortner

 

Vorschläge für die 17 wohlschmeckendsten Möglichkeiten, die Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben

Essbare Wildkräuter sind wahre Vitamin- und Mineralstoffspender: Frisch und roh genascht, sind sie mit ihrer hohen Konzentration an bioaktiven Substanzen nach einem langen Winter willkommene Nahrungsergänzung: wertvoll, wohlschmeckend und kostenfrei!

Warum in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah: Ein guter Permakulturgarten hält auch Platz für die wohlschmeckenden Wilden bereit.

1. Bärlauch, Wilder Knoblauch, Waldknoblauch, Zigeunerlauch, Allium ursinum. Das mehrjährige Liliengewächs kommt in Auwäldern und feuchten Bergwäldern oft massenhaft vor. Die Blätter mit starkem Knoblauchgeruch und -geschmack zeigen sich schon im März, die weißen Blütenköpfe blühen ja nach Höhenlage zwischen April und Juni. Das Zwiebelgewächs bevorzugt im Garten einen sommerschattigen oder halbschattigen Platz mit „kühlem Fuß“ und feuchter Erde. Verwendet werden die grünen Blätter. Enthält viel ätherisches Öl und wirkt Appetit anregend. Achtung vor großen Mengen rohem Bärlauch bei empfindlichem Magen!

2. Beifuß, Besenkraut, Weinerkraut, Wilder Wermut, Gänsekraut, Sonnwendkraut, Artemisia vulgaris. Wildstaude auf Ödflächen und Ackerrändern. Wird bis 2 m hoch und trägt ab Juli/August unscheinbare rötlich-graue Korbblüten. Die gesamte Pflanze erscheint grau-filzig behaart. In kulinarischer Hinsicht haben die jungen Blätter im Frühjahr als Gewürzkraut Bedeutung, ebenso die Blütenknospen im Juni, die zu Fleischspeisen mitgekocht werden. Das ätherische Öl, die Bitter- und Gerbstoffe des Beifuß machen die gewürzten Speisen bekömmlicher und helfen verdauen.

3. Brennnessel, Große und Kleine, Urtica sp. Wildstaude bzw. -kraut auf Ödflächen und feuchten Stellen. Nährstoff liebend. In den Nesselhaaren findet sich das Nesselgift, das zum Nesselausschlag führt. In die Küche kommen die jungen Blätter, entweder roh (nach Entfernung der Nesselhaare mit dem Messerrücken oder Nudelholz) oder gekocht als „Spinat“.

4. Brunnenkresse, Nasturtium officinale. Mehrjährige heimische Wasserpflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse an sauberen Bächen und Quellfluren. Sie ist eher selten und wird oft mit dem Bitteren Schaumkraut (Cardamine amara) verwechselt. Beide schmecken ähnlich und enthalten Senfölglykoside, Bitterstoffe und reichlich Spurenelemente. Sie fördern die Verdauung und regen den Appetit an. Die Bitterstoffe werden durch Essig „entschärft“. Die Brunnenkresse kann man in einem mit Wasser gefüllten Gefäß mit magerer Erde für die Frischkrautverwendung ziehen.

5. Dost (Wilder Majoran), Wohlgemut, Origanum vulgare. Heimische Wildstaude vom Waldrand und der mageren Wiese mit hübschen lilafarbenen Blüten, die sich gut als Trockenblumen eignen. Der heimische Oregano ist mild und angenehm im Geschmack und treibt im Frühjahr recht früh aus. Seine Blätter eignen sich gut für alle Verwendungen. Im Beet neigt er zu unmäßiger Ausbreitung.

6. Gänseblümchen, Bellis perennis. Kleines zweijähriges Gewächs in der halbschattigen Wiese und im Blumenrasen. Eignet sich gut für Pflanzgefäße und den Balkon. Blätter, Knospen und Blüten für die rohe Verwendung in Salaten und Aufstrichen. Da es kaum bitter schmeckt, wird es auch von Kindern akzeptiert.

7. Giersch, Geißfuß, Erdholler, Gartenholler, Aegopodium podagraria. Das allseits unbeliebte „Gartenunkraut“ mit den weißen, nicht auszurottenden Wurzeln ist eine hübsche Pflanze mit aufrechten weißen Doldenblüten, die jeden Sommerblumenstrauß zieren (würden). Der Geschmack der ganz jungen, noch hellgrünen Blätter ist angenehm, eigenwillig, petersilienartig. Sie eignen sich für Rohkost-Mischungen, als Petersilien-Ersatz und für „Spinat“.

8. Gundelrebe, Gundermann, Glechoma hederaceum. Die hübsche, gerne als Unkraut angesehene Pflanze ist sehr wüchsig und erobert sich kriechend jeden Gartenbereich – außer es ist zu sonnig und heiß. Die Blüten sind hübsche lilafarbene Kerzen. Die Gundelrebe schmückt gerne „alternative“ Pflanztöpfe auf dem Balkon oder Fensterbrett. Ein eigenwilliges Gewürz für Suppen, Soßen und Eier-Gerichte. Verwendet werden die Triebspitzen und jungen Blätter, ebenso die Blüten.

9. Hirtentäschelkraut, Capsella bursa-pastoris. Die hübsche, meist als Unkraut angesehene Pflanze findet sich an Acker- und Wegrändern und auf Beeten. Aus den kleinen weißen Blüten entwickeln sich die „Hirtentaschen“, verkehrt eiförmige Samenbehälter. Die jungen Rosetten (vor der Blüte) sind ein köstlicher Salat. Blütenstände und die unreifen „Hirtentaschen“ (Samenstände) schmecken ebenfalls sehr gut.

10. Hopfen, Gemeiner, Humulus lupulus. Die wertvolle Heilpflanze wächst wild an feuchten Waldrändern und in Auen. Sie ist mehrjährig und schlingt sich in wenigen Wochen vom Boden in mehrere Meter Höhe, wobei sie Bäume oder Zäune oder die vorjährigen Triebe als Kletterhilfe benützt. Die jungen Hopfentriebe schmecken wie Spargel und werden, zu Bündeln gebunden, ebenso verwendet – ohne dass man sie zu schälen braucht.

11. Löwenzahn, Echter, Taraxacum officinale und Taraxacum spectabile. Die ausdauernde Pflanze mit dem kräftigen Wurzelstock kommt oft massenhaft auf gedüngten Wiesen vor. Im Garten gilt sie als unerwünscht, vor allem im Gemüse- und Blumenbeet. Der „Röhrlsalat“ besteht aus den jungen Blattrosetten (Blättern mit Blütenknospen und Wurzelanteil) und wird im frühen Frühjahr auf ungedüngten Wiesen „gestochen“. Gegessen werden diese Löwenzahnherzen meist im Erdäpfel- oder Bohnensalat oder als eigenes Salatgericht. Der Essig nimmt einen Teil der Bitterkeit. Auf frisch gemähten Wiesen gibt es später im Jahr noch einmal „Röhrlsalat“.
Die Blattrosetten des Großen Löwenzahns haben als „Specksalat“ Tradition. Die glänzenden Rosetten schmecken mild und angenehm. Die Blütenköpfe des Löwenzahns werden zu Löwenzahnsirup verarbeitet: eine zwar zuckerreiche, aber unübertreffliche Köstlichkeit aus Großmutters Küche.

12. Pimpinelle, Pimpernell, Kleiner Wiesenknopf, Sanguisorba minor syn. officinalis. Mehrjährige heimische Pflanze aus der Familie der Rosengewächse auf mageren Wiesen und Weiden. Trägt über einer hellgrünen Blattrosette auf bis zu 100 cm hohen Stielen von Juli bis September kleine rötliche Blütenköpfchen. Im Garten fühlt sie sich am (ungedüngten) Beetrand oder im Steingarten wohl. Die frisch gezupften sehr jungen Blättchen riechen und schmecken nach Gurken und sind ein beliebtes Salatgewürz und ein erfrischender Brotbelag, vor allem im frühen Frühjahr.

13. Sauerampfer, Rumex acetosa. Heimische Wildstaude der „sauren“, also feuchten Wiesen. Auf seinem langen Blütenstiel trägt er im Frühjahr die bekannten rötlichen Blüten- und Samenstände. In die Küche kommen die jungen Blätter, die gezupft werden, bevor der Blütenstiel austreibt. Sauerampfer enthält, je weiter das Jahr voran schreitet, immer mehr Oxalsäure, die vermieden werden soll.

14. Schafgarbe, Gewöhnliche, Achillea millefolium. Mehrjährige Wildstaude auf mageren, trockenen Wiesen und an Wegrändern. Sie blüht mit hübschen weißen oder rosafarbenen Blütenkörbchen im Frühsommer. Ihre Wurzeln sind sehr lebenskräftig und durchwuchern jedes Gartenbeet. In kulinarischer Verwendung stehen die jungen, noch hellgrünen und zarten Blättchen im frühen Frühjahr, die in dieser Jahreszeit fein-aromatisch schmecken.

15. Spitzwegerich, Plantago lanceolata. Mehrjährige Wildpflanze auf mageren Wiesen. Lässt sich auch willig im Garten in ungedüngten Beeten oder im Steingarten ziehen. Sie ist eine elegante Erscheinung mit ihren lanzettförmigen Blättern und ihren hohen braunen Knopf-Blüten. In der Küche verwendet man die ganz jungen, noch hellgrünen Blätter als Salatbeigabe oder Brotbelag.

16. Vogelmiere, Hühnerdarm, Stellaria media. Die zarte und doch hartnäckige Pflanze ist im Garten als Unkraut zu Unrecht verpönt. Sie ist satt grün gefärbt, hat zahlreiche kleine Blättchen, kleine weiße Sternblüten und eine merkwürdig dehnbare Stängel-Innenhaut („Hühnerdarm“). Die Blätter und Blüten der Vogelmiere gehören zu den wohlschmeckendsten Wildkräutern überhaupt und werden roh oder gekocht als Brotbelag, Salatbeigabe oder „Spinat“ verwendet.

17. Waldhimbeere, Rubus idaeus. Langlebige Wildstaude an Waldrändern und auf Waldschlägen. Sie trägt Dornen. Junge Blätter sind fein gehackt ein Brotbelag und Salatbestandteil.

Sinnvolle Zubereitungen der fein gehackten gemischten Kräuter sind:

  • Frisch und roh als Brotbelag – im Topfen-, Erdäpfel-, Grünkern-, …-aufstrich – auf dem Salat oder als Salat – auf der Suppe – im Kräuterdipp – als kalte Soße
  • Getrocknet als Gewürzmischung – im Wildkräutersalz
  • Gepresst als grüner Kräutersaft
  • Gekocht/Gebacken als Spinatzugabe – in der Suppe – im Getreidelaibchen – in der Kürbissoße – im Kräuterbrot – in den Kräuternudeln … Guten Appetit!

Die Ansiedlung der Wildkräuter auf dem eigenen Grundstück erfolgt entsprechend ihren Standortansprüchen:

  • Gemulchte Gemüsebeete für die klassischen „Unkräuter“ Vogelmiere, Löwenzahn, Hirtentäschelkraut, Sauerampfer, Spitzwegerich – nichts leichter als das!
  • Wald- und Heckenränder für Waldhimbeere, Hopfen, Giersch, Dost, Gundelrebe, Brennnessel – unschwierig!
  • Magerwiese, Schotterrasen, Kräuterspirale oder Steingarten für Spitzwegerich, Schafgarbe, Pimpinelle, Dost, Beifuß – sehr schön!
  • Im Sommerschatten unter Obst- oder anderen Laubbäumen: Bärlauch, Gänseblümchen, aber auch Giersch, Brennnessel, Gundelrebe – sehr stilecht!
  • In der feuchteren Wiese Sauerampfer, Löwenzahn – falls man hat!
  • Am Bach Brunnenkresse und Bitteres Schaumkraut – oder im mit Wasser gefüllten Topf.

Alle kulinarischen Wildkräuter nehmen auch gerne in Kisten oder anderen Pflanzgefäßen auf dem Balkon Platz und sind dort wichtige Insekten-Tankstellen.



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