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5 Jun 2020

Natur und Permakultur 6: Die gestaltete Natur als Gesundheitsquelle


Im Frühling wird uns wieder bewusst, dass wir in naturnahen Gärten „neue“ Energie tanken können.

Von Marlies Ortner

 

Der Garten: für Viele Synonym für bewussten Lebensstil, für individuell gestalteten Lebensraum, für hochwertige materielle und immaterielle Lebensmittel, für ganzheitliche körperliche, geistige und seelische Entwicklung, für Entfaltung und Entspannung, für Naturerfahrung und Kreativität. Ein Ort zum „Auftanken“.

Lebensstil und Lebensenergie

Zwischen Lebensstil (im Sinne von Lebensweise) und Lebensenergie bestehen naturgemäß enge Verbindungen.
Zu wenig berücksichtigen jedoch die Versprechungen mancher Heilslehren, dass es eine Energie-Vermehrung nicht geben kann, dass jedes Quäntchen Lebensenergie sozusagen seinen Preis hat, und dass nach Jahre langem energetischen Raubbau am eigenen Organismus nur tief greifende Änderungen der Lebensweise Schritt für Schritt zum erwünschten Erfolg führen können.
Ebenso wird in der akademischen Medizin die Bedeutung der Lebensweise, insbesondere des Ernährungs- und Freizeitverhaltens und der sogenannten Psychohygiene, für seelische Gesundheit und energetische Balance wohl zu wenig beachtet.
Dagegen gibt die Schule von Sebastian Kneipp mit den „fünf Säulen der Gesundheit“, vor allem mit der „Ordnungstherapie“, klare Anleitungen, wie das Gleichgewicht der Lebensenergie zu erhalten bzw. wieder zu erlangen sei. Die Kneipp-Lehre zeigt auch auf, dass ein organischer Rhythmus zwischen Anspannung und Entspannung, das Mitschwingen mit den Tages- und Jahreszeiten und ein naturnahes, Körper und Geist bewegendes Freizeitverhalten wichtige Faktoren sind.

Die Gesundheitswissenschaften haben die Bedeutung des Lebensstils (mit seinen wichtigsten Bereichen Ernährung – Bewegung und Ruhe – Anspannung und Entspannung – soziale Einbindung – Naturbeziehung) für die seelische, geistige und körperliche Gesundheit nachgewiesen und ihm den gebührenden Platz in der Gesundheitsvorsorge verschafft. Daraus entstand in jüngerer Zeit der Begriff der „Lebensstilmedizin“.
Gleichzeitig wurde klar, dass nur ein relativ kleiner Prozentsatz der Bevölkerung – die so genannten Gesundheitsbewussten – auf Maßnahmen der Gesundheitserziehung reagieren und ihren Lebensstil ändern, solange Gesundheit und Lebensenergie noch nicht in deutlicher Weise gestört sind, solange also die gesundheitliche Lebensqualität noch nicht beeinträchtigt ist. Die klassischen Gesundheitserziehungsmaßnahmen erreichen also die meisten Bevölkerungsgruppen im Wesentlichen nicht bzw. bleiben ohne nachhaltigen Erfolg.

Die tatsächlichen Möglichkeiten der gesundheitlich orientierten Verhaltensänderung sind für die meisten Menschen – sogar hier bei uns, in den reichen Ländern – außerdem wesentlich geringer, als man annehmen möchte. Familiäre Bindungen, enge finanzielle Grenzen, verwirrende Informationen in Massenmedien und in der Produktwerbung, isolierte gesellschaftliche Situation, Doppelbelastung oder Arbeitslosigkeit, soziale Zwänge, Abhängigkeit von Vorurteilen und Aberglauben, religiöse Überzeugungen oder Religionsverlust – und eine bereits latente oder manifeste Beeinträchtigung der Lebensenergie sind die Gründe dafür, dass Menschen ihre Lebensgewohnheiten erst dann ändern, wenn ein starker Leidensdruck entstanden ist – also wenn es für vorausschauende Vorsorge bereits zu spät ist.

Ein weiterer wesentlicher Grund für unterbliebene Lebensstil-Änderungen ist das reale Fehlen erreichbarer und niedrig schwelliger geeigneter Angebote bei Freizeitgestaltung (einschließlich Naturerfahrung), Ernährung, Entspannung, sozialen Kontakten und befriedigenden gesellschaftlichen Aufgaben.

Aufgabe öffentlicher und privater Einrichtungen ist es daher, für bestimmte Zielgruppen geeignete und erreichbare Alternativ-Angebote an deren unmittelbaren Lebens- und Arbeits-Orten zu schaffen, zu initiieren und/oder zu fördern. (sog. Settings-Ansatz). Die reale Veränderung des Angebots im Lebensumfeld bestimmter Zielgruppen kann aus heutiger Erfahrung mehr Gesundheitsgewinn bewirken als noch so gut gemeinte Bildungsangebote.

Lebensraum und Lebensenergie

Während der Einfluss des Lebensstils auf die Lebensenergie wissenschaftliche Beachtung gefunden hat, scheint die Bedeutung des Lebensraums (im Sinne von Landschaftsraum) noch kaum erforscht zu sein.
Aus der Erfahrungsmedizin und der Pädagogik ist allerdings bekannt, dass der Aufenthalt in und die Beschäftigung mit der Natur wertvoller Ausgleich zur Berufsarbeit und hilfreich in jeglichen Belastungssituationen sind, ja dass der bloße Anblick von lebendigem Grün beim Blick aus dem Krankenhauszimmer Heilung fördernde Wirkung hat.
Ein großer Teil der Menschen hat die Erfahrung gemacht, dass die Begegnung mit intakter, also heiler, vielfältiger Natur anregend, ablenkend, entspannend, erholsam, ja heilsam sein kann und kreative Kräfte frei setzt. Aus diesen Erfahrungen ist – in einer Zeit, in der die tägliche Lebensumwelt vielfach immer unwirtlicher wird – nicht nur die Wander- und Radwanderbewegung entstanden, sondern auch eine neue Form der Gartenkultur und Gartennutzung, der sogenannte Wohngarten.

Beispiele Energie spendender und damit der Gesundheit förderlicher Grünräume zu schaffen, zu zeigen und zu fördern, ist daher wichtige Aufgabe öffentlicher und privater Einrichtungen.

Nahrung und Lebensenergie

Physische Nahrung ist der bekannteste und augenfälligste Lebensenergie-Spender. Auch beim Thema Ernährung ist der Zusammenhang zwischen Lebensenergie und Grünraum evident: Nur eine gesunde Landschaft / ein gesunder Garten produziert gesunde Lebens-Mittel. Und nur die Einordnung der Nahrungsmittelproduktion in die von der Natur vorgegebenen Energiekreisläufe kann die Intaktheit der Landschaft erhalten. Dieser Zusammenhang ist aber nur mehr wenigen bewusst.

Während die Energiekreisläufe der physischen Nahrung und ihre Grund legende Bedeutung für die Lebensenergie heute nicht in Frage gestellt sind, sind die Verbindungen zwischen geistig-seelischer Nahrung und Lebensenergie verschiedenen Anschauungsweisen unterworfen. Fest steht, dass sich zurzeit ein Paradigmenwechsel vollzieht, was die Wert gebenden Inhalte von Grünräumen für Gesundheitsförderung und Wohlbefinden betrifft: Der ökologisch intakte Grünraum als Spender von geistig-seelischer Lebensenergie wird immer „not-wendiger“. Der Bedarf an Energie spendenden Grünräumen hat in einer auf weite Strecken sinnentleerten Arbeits- und Freizeitwelt zugenommen – wenn auch das Bedürfnis, solche Grünräume nutzen zu können, meist noch nicht erkannt ist.

Entwicklung und Lebensenergie

Natur ist entwicklungsgeschichtlich gesehen das „normale“ Umfeld des Individuums und der menschlichen Gesellschaft – nicht nur als Rahmen, sondern auch als notwendiger Partner, ja als Voraussetzung der Menschheitsentwicklung überhaupt.

Heute ist Natur im Großen und Ganzen auf so genannte Kulturlandschaft, auf öffentlichen Grünraum und private Gärten reduziert. Bewusste und gezielte Gestaltung dieser Natur-Räume macht sie als Potenzial für „Entwicklungs-Energie“ nutzbar – sei es für die kindliche Entwicklung oder die Entwicklung in anderen Lebensphasen, oder für die Entfaltung von Kunst und Kreativität, oder als Ort für Lernen, Spiel und Kommunikation. Während „wilde Natur“ nachgewiesener Maßen all diesen Ansprüchen genügt, müssen vom Menschen gestaltete Grünräume ihre Energie spendenden Qualitäten oft erst mühsam erringen.

Gründliche ganzheitliche Planung (also unter Einbeziehung der individuellen Eigenschaften des Ortes und der Bedürfnisse und Interessen der NutzerInnen) und Optimierung der ökologischen und ästhetischen Möglichkeiten sind dafür wichtige Voraussetzungen.

Entspannung, Kreativität und Lebensenergie

Unbewältigter Stress ist ein Grundleiden unserer Zeit: Überforderung im Beruf, schwelende zwischenmenschliche Konflikte, hektische Freizeitgestaltung und pausenlose Reizüberflutung sind oft die Ursachen. Massive Beeinträchtigungen der Befindlichkeit und in weiterer Folge Störungen der Gesundheit sind die Folge. Die tatsächlichen Gründe für die Stressanfälligkeit des urbanisierten Menschen liegen aber tiefer und haben mit der Orientierungslosigkeit, dem Religionsverlust, der Beziehungsarmut und Sinnentleerung des Lebens in der modernen Gesellschaft zu tun: Entfremdung von der Natur – auch von der eigenen Natur – bewirkt seelische Heimatlosigkeit und macht anfällig für Stressattacken.
Stressgeplagte sind ständig angespannt, als ob sie auf der Flucht wären. Entspannung in der Natur zu finden, kann eine wichtige Erste-Hilfe-Maßnahme für Stressopfer sein. Langfristig vermag die bewusste therapeutische Nutzung von Landschaft und Gärten seelische Balance, Gelassenheit und emotionale Robustheit (Resilienz) wieder herzustellen.
Je nach Neigung des Individuums bzw. Interessenlage der Gruppe können die entspannenden und ausgleichenden Outdoor-Aktivitäten ganz unterschiedlicher Art sein. Die Möglichkeiten reichen von rein Natur beobachtenden Tätigkeiten über die Kombination von Naturwahrnehmung und körperlicher Aktivierung („Wandern“) bis zur Gartenarbeit.
Besonders von Gartenarbeit ist bekannt, dass sie großes therapeutisches Potenzial besitzt, das für die Entwicklung und Rehabilitation körperlich und seelisch beeinträchtigter Menschen seit langem genutzt wird. Die Menschen, die sich bei der Gartenarbeit den Pflanzen zuwenden und für ihre Bedürfnisse sorgen, beginnen wieder Verantwortung zu übernehmen, werden von Betreuten zu BetreuerIinnen und entfalten dabei neue Fähigkeiten. „Erdung“, also körperbetonter Umgang mit Natur, vermag außerdem erfahrungsgemäß die Wahrnehmungs- und Beziehungsfähigkeit zu steigern und ist damit wichtige Voraussetzung für das (Wieder-)Entstehen von Lebensfreude, die in kreativem Gestalten, in sozialem und ökologischem Handeln ihren Ausdruck findet.



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