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17 Apr 2020

Natur und Permakultur 3: Naturgarten

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von Marlies Ortner

 

Ein Naturgarten ist kein Labor. Er besticht nicht durch Perfektion und „Sauberkeit“, sondern zeigt den Zauber der Schöpfungsvielfalt.

Nutzgärten und Ziergärten sind vor allem an Kulturpflanzen orientiert.
Naturgärten dagegen beherbergen vor allem Pflanzengruppen, die in konventionellen Gärten und meist auch in der Kulturlandschaft heute fehlen: heimische Wildpflanzen (Kräuter und Stauden, sogenannte „Blumen“, sowie heimische Sträucher und Bäume).

Durch Geländemodellierung, Ausstattung mit Steinen, Holz und gartentauglichen Wildpflanzen sowie durch seine Gestaltung als Ruheplatz einerseits und Bewegungsraum andererseits bietet der Naturgarten vielfältige Erlebnismöglichkeiten für Menschen aller Altersgruppen und Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere.

Während von vielen Menschen Gemüsegärten mit „Arbeit“ assoziiert werden, weckt ein Naturgarten bei einem Großteil der NutzerInnen die Empfindung „Erholung“ und „Entspannung“.

Das Gesundheit fördernde Potenzial einer solchen naturhaften Erlebnislandschaft für alle Sinne ist beträchtlich. Entspannung und Anregung, also Harmonisierung und damit Stressabbau, stehen dabei im Vordergrund, das Entstehen eines Geborgenheitsgefühls in der Schöpfungsvielfalt ist ein weiterer erwartbarer Effekt, ebenso wie das Erlebnis für alle Sinne: Farben, Formen, Oberflächen, Düfte, Naturgeräusche, ….

Ökologisches Lernen geschieht beim Aufenthalt im Naturgarten meist unbemerkt, ja ist geradezu unvermeidbar: Begegnungen mit Schmetterlingen, Igeln, Eidechsen, Hummeln, Libellen, …. fordern Aufmerksamkeit und prägen die Wahrnehmungen.

Was ist ein Naturgarten?
Naturgarten nennt man in der Fachwelt einen naturnahen Garten, für dessen Planung, Gestaltung und Pflege die „Gesellschaft für naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung NATURGARTEN e.V.“, München, folgende Ziele formuliert hat:

  • Standortgerechte Verwendung heimischer Gewächse
  • Bewahrung und Schaffung vielfältiger Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen
  • Bewahrung und Förderung der ökologischen Qualität und Lebensfähigkeit des Grundstücks
  • Herkunftsnachweis für die verwendeten Pflanzen
  • Beachtung von natürlicher Dynamik, Spontanvegetation, Ausbreitungsdrang und Größenzuwachs der Pflanzengesellschaften
  • Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, von Boden, Topographie, Vegetation und Landschaftsbild
  • Energie- und Ressourcen schonende Planung und Pflege:
    Verwendung regionaler Materialien, wenig Erdbewegung, Vermeidung unnötiger Transporte, Regenwassernutzung, Wiederverwertung gebrauchter
    Stoffe etc.,
  • Kreislaufwirtschaft
  • Umfassende Begrünung der Fläche
  • Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Wasserdurchlässigkeit der Fläche
  • Neben Garten-/Grünflächen-/Dach-/Fassadenbegrünungen auch Begrünung von
    Belagsflächen und Begleitstreifen etc.
  • Erlebnismöglichkeiten für die Nutzer/innen: Sitzplätze, Spiel- und Beobachtungsbereiche
  • Einführung der Nutzer/innen in die Naturgartenphilosophie und -pflege, Anregungen zum praktischen „Naturschutz vor der Haustür“

Die wichtigsten Merkmale von Naturgärten

Ein Naturgarten verbindet „Natur“ und „Garten“ auf bestmögliche Weise. Er ist ein Platz gleichzeitig für Menschen, Tiere und Pflanzen. Er besteht ganz aus Naturmaterialien (Erde, Sand, Steine, Holz, … ) und ist mit standortgerechten heimischen Wildpflanzen ausgestattet. Dadurch ist er wertvoller Lebensraum: nicht nur für Menschen, sondern auch für die bedrohte Pflanzen- und Tierwelt.

Besonders Schmetterlinge, Bienen, Schwebfliegen, Hummeln, Libellen, Igel, Eidechsen, Frösche und Molche nehmen den neuen Lebensraum gerne an. Sie stabilisieren das ökologische Gleichgewicht des Naturgartens, halten ihn gesund und machen ihn fruchtbar – ganz ohne Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzgifte.

Der „Betrieb“ des Naturgartens erfolgt im Einklang mit der Natur: Alle Materialien werden im Kreislauf geführt, und es kommt möglichst wenig Fremdenergie zum Einsatz. „Abfälle“ gibt es keine, wohl aber gibt es nach wenigen Jahren Jungpflanzen zu „ernten“.

Die „Baumaterialien“ für Naturgärten

  • Geländeformen: Hügel, Mulden, Schluchten, Böschungen, Terrassen, ….
  • Materialien und Substrate: Unterboden (Rohboden), Lehm, Sand, Schutt, Splitt, Kies, Solitärsteine, Holz …
  • Wasser: Fließendes und stehendes Wasser: Teich, Sumpf, Graben, …
  • Pflanzen: Heimische Wildpflanzen: Einjährige Kräuter, mehrjährige Stauden, Gehölze (Sträucher und Bäume). Land- und Wasserpflanzen. Kriech-, Schwimm- und Kletterpflanzen.
  • Benutzer/innen-Infrastruktur: Wege u. Plätze für Bewegung u. Ruhe, zum Beobachten u. Kommunizieren, Sitzgelegenheiten, Spiele, …
  • Wildnis-Bereich: Das Wichtigste für das Überleben des Lebens!

 

Einige Naturgarten-Elemente

Die genannten „Baumaterialien“ werden zu folgenden bewährten Elementen zusammen gefügt:

  • Feuchtlebensräume:
    Teich mit Uferzonen, Feuchtwiese, Sumpf, Bach, Wassergraben…
    Nur mehr ein Tausendstel aller kleinen Feuchtbiotope sind heute in unserer Landschaft vorhanden – gegenüber dem Jahr 1900. In Naturgärten können wertvolle Feuchträume in relativ kurzer Zeit wieder erstehen. Sie sind Erlebnisraum für Menschen aller Altersstufen und unersetzbarer Lebensraum für Kröten, Molche, Unken, Libellen, Wasserkäfer und –schmetterlinge.
  • Trockenlebensräume:
    Schotterrasen, Kies- und Schotterfluren/beete, Steinschlichtungen, Kräuterspirale, Labyrinth, Trockenmauer, Wege, Plätze, Trockenbach, …
    Nährstoffarme, trockene Bereiche mit viel Steinen, Schutt und Schotter und wenig Erde holen einen Lebensraum in den Garten, der draußen in der Kulturlandschaft selten geworden ist.
    Rund um Solitärsteine, in den Schotterbeeten und auf der Kräuterspirale entwickelt sich bald eine rege Blumen- und Insektenwelt, ohne dass sie von Gräsern unterdrückt und überwachsen wird. Schmetterlinge, Eidechsen und andere „Sonnenanbeter“ finden hier ein neues Zuhause.
    Auch Steinhaufen sind als Wohnungen für nützliche Tiere vorgesehen, ebenso werden Wiesenstreifen auf magerem Boden (Schotterrasen) eingerichtet.
    Für Sommerquartiere der Fledermäuse und Ansitzplätze für Raubvögel wird ebenfalls gesorgt.
    Schotterrasen: Die Zwischenräume zwischen den Schottersteinen geben Pflanzenwurzeln Platz: Auch wenn Kinder darauf spielen oder Autos darüber fahren, werden die Wurzeln nicht zusammen gepresst, die Pflanzen bleiben lebensfähig und der Platz bleibt begrünt.
    Insektenhotel: als besonderer Nistplatz für Wildbienen etc.
  • Wildblumen- und Heilpflanzenbeete:
    Garten-erprobte Wildstauden mit dekorativem Wuchs und hübschen Blüten wie Königskerze, Moschusmalve, Natterkopf oder Fingerhut
    Obwohl als Beete geführt, sind solche „Wildblumengärten“ wegen ihrer Nährstoffarmut pflegeleicht und brauchen wegen der ohnehin vorhandenen Anpassung ans heimische Klima kaum Gießwasser. Wildblumenbeete sind im Frühling und Sommer Höhepunkte des Naturgartens. Mit vielfältigem Schmetterlingsbesuch darf gerechnet werden.
  • Blumenwiese:
    Heimische Blütenstauden, Wildkräuter und Gräser wie Wiesenmargeriten, Wiesenglockenblumen, Spitzwegerich, Johanniskraut, Schafgarbe und Zittergras auf nährstoffarmem durchlässigem Boden (Halbtrockenrasen)
    Die Blumen der Magerwiese schätzen relativ nährstoffarmen, lockeren Boden. Nur unter diesen Umständen können sie sich gegenüber den Gräsern behaupten.
    Rasen auf nährstoffreichem und/oder gedüngtem Boden wird Schritt für Schritt durch späte Mahd (nach der Blüte) und durch Abfuhr des Mähguts (Kompostierung) in eine Blumenwiese umgewandelt. Düngende Maßnahmen werden unterlassen.
    Eine schnellere Wirkung tritt ein, wenn der Wasen (Oberboden mit Graswurzeln) abgetragen und der Boden gelockert und aufgeschottert oder Sand eingearbeitet wird.
    Wo der Wasen durch Baumaßnahmen zerstört ist, muss ebenfalls geschottert bzw. gelockert und eingesät werden bzw. es werden Starter-Inseln bepflanzt.
    Beim Saat- und Pflanzgut ist auf heimische Herkunft zu achten.

Die Blüten der Wiesenblumen holen die Insektenwelt in den Natur-Erlebnisgarten und binden ihn damit ins umgebende Ökosystem ein. Früchte und Samen heimischer Stauden sind weitere wertvolle Elemente des Lebensraums „Wiese“.
Viele der Wiesenpflanzen sind auch vom Menschen beernt- bzw. nutzbar. Hierher gehören die meisten der sogenannten „Wildkräuter“.

  • Streuobstwiese:
    In der Region bewährte Hochstammobstbäume auf ungedüngter kräuterreicher Wiese
    Die Wiese wird zweimal im Jahr gemäht, das erste Mal nach der Samenentwicklung der Stauden und Gräser (Juli/August), das zweite Mal vor der Obsternte. Das Gras wurde früher als Einstreu im Stall verwendet (Name). Die hochstämmigen Obstbäume spielen als Wohnung, Nahrung und Sitzwarte für zahlreiche Tierarten eine große Rolle, auch als „Trittsteine“ in einer ansonsten ausgeräumten Landschaft.
  • Wildsträucher-Hecken:
    Wildsträucher/bäume: als Solitäre, in Hecken und Gruppen,
    Heimische Bäume und Sträucher sind gemeinsam mit ihrem Unterwuchs („Frühblüher des Laubwaldes“) wertvoller Lebensraum für Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren. Beeren tragende Sträucher (Wildobst) sorgen für menschliche und tierische Nahrung.
    Blüten und Früchte der Gehölze sind einladend für Vögel, Bienen, Schmetterlinge, Igel, und andere „Bewohner/innen“. Ihre holzigen Strukturen sind Wohnung, Zufluchtsort und Nistplatz, ihr Laub gibt Nützlingen wie Igeln und Kröten Deckung, Tagesversteck und Winterquartier.
    Gehölze gliedern den Naturgarten, schaffen schattige und sonnige Seiten, sorgen für immer neue Blickwinkel, trennen aber auch als Hecke den Naturgartenraum von anderen Nutzungsbereichen ab und geben Sicht- und Staubschutz.
    Durch standortgerechte Bepflanzung mit wilden Zwiebelblumen entstehen auch interessante Frühlingsaspekte und eine frühe Bienenweide.
    Totholz- und Laubhaufen als besonders wichtige Wohnstätten sollen in die Hecke integriert werden.
  • Parkplatz-Grün:
    Bäume, Sträucher und Bodendecker auf Schotterrasen
    Gehölze und geeignete Bodendeckerpflanzen beleben die Parkflächen und beziehen sie – zumindest in der „oberen Etage“, also in der Vogel- und Insektenwelt – in den Gartenraum mit ein.
    Aber nicht nur für die Tierwelt, auch für die NutzerInnen gewinnen Parkplätze von verschiedenen Blickwinkeln aus durch die gezielte Bepflanzung und lassen sie optisch erträglich und zum Grünraum gehörig erscheinen. Baumkronen verstecken die Autos und spenden Schatten.
  • Wildnis-Ecke:
    Ein möglichst nähstoffarmer Bereich, der nach der Startphase ganz sich selbst, also der natürlichen Sukzession, überlassen und nicht „gepflegt“ wird. Nach vielen interessanten Phasen wird die Wildnisecke nach Jahren von Gehölzen eingenommen werden.
  • Wege und Plätze:
    Orte der Begegnung zwischen Menschen und Natur …
    … aber auch Orte zum Spielen, für Bewegung, für Kommunikation, Kreativität und Kunst.
    Angenehmes Rasten auf bequemen Sitzgelegenheiten fördert die Kommunikation. Die Gestaltung mit Steinen und Pflanzen hilft mit, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der sich Kreativität entfalten kann. Solche Plätze laden die NutzerInnen ein, nicht nur zu rasten, sondern auch zu lernen, zu spielen und miteinander zu feiern.
    Z.B. ist ein Labyrinth nicht nur eine interessante Laufbahn, sondern auch ein Ort für Konzentration und Entspannung.

Die Bewirtschaftung von Naturgärten

Die notwendigen Maßnahmen verursachen nur einen Bruchteil des Aufwands, der von konventionellen Ziergärten verursacht wird.
Der Arbeitsbedarf umfasst vor allem das Jäten unerwünschter Pflanzen, das Zurückschneiden der Stauden im Herbst und das Nachsetzen von Pflanzen im Frühjahr bei Bedarf sowie die einmal jährlich durchzuführende Teichpflege (Ausräumen eines Teils der Pflanzen mit Wurzeln). Der Naturgarten erfordert keine jährliche Neubepflanzung, da er vor allem mit mehrjährigen Wildpflanzen gestaltet ist. Es braucht – außer während der Bepflanzungsarbeit – meist auch nicht gegossen und keinesfalls gedüngt zu werden.
Naturgarten-Pflege braucht Wissen: Weiterbildung hilft!



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