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10 Apr 2020

Natur und Permakultur 1: Naturnaher Wald in Mitteleuropa

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von Marlies Ortner und Bozica Papes-Mokos

A. Alles ist miteinander verbunden oder: Der Wald besteht nicht nur aus Baumstämmen

Bevor die Menschen die Gestaltung der Landschaft „in Angriff“ genommen haben, war ganz Mitteleuropa von Laub- und Mischwäldern bedeckt.
Buchen, Eichen, Ahorne, Ulmen, Linden, Tannen und auch Fichten boten einer vielfältigen Tierwelt Lebensraum. Die Waldbäume wurden mehrere Hundert Jahre alt, bevor sie altersschwach wurden und der Sturm sie stürzte.
In sauberen Waldbächen und -flüssen schwammen viele Arten von Fischen, Fischotter spielten „abfangen“ und Biber bauten voll tierischem Ernst ihre Staudämme. Eine vielfältige Vogelwelt freute sich ihres Lebens.
Auf dem Waldboden spielte sich das Recycling-System ab: Holz abgestorbener Bäume, Laub und alles andere Ausgediente wurde von Tausendfüßern, Ohrwürmern, Asseln, Spinnentieren, Regenwürmern, Einzellern, Algen und vielen anderen so genannten Zersetzern in lockeren duftenden Waldhumus umgewandelt.
Auf den Waldboden fielen jedes Jahr Myriaden verschiedener Samenkörner. Sie warteten in aller Ruhe, bis ihre Zeit gekommen war.
Sobald ein alter Baum fiel, konnte sich neues Leben auf dem Waldboden entfalten: Sonnenlicht drang ins Dämmerlicht des Urwaldes und nicht nur Kräuter und Gräser keimten, sondern auch zahlreiche Baumsämlinge gingen auf. Einige von ihnen wuchsen heran und bekamen die Chance, große alte Bäume zu werden. Danach schloss sich das Blätterdach wieder, und der Kreislauf begann von Neuem.
Auf den Waldlichtungen wuchsen Kräuter und Gräser, von denen sich Elche, Auerochsen, Wisente, Hirsche, Rehe und Hasen ernährten. Bucheckern, Eicheln, Kastanien, Ahornsamen, Hagebutten, Hasel- und Walnüsse und eine Vielzahl von Beeren dienten nicht nur Vögeln, Igeln, Mäusen, Eichhörnchen und Dachsen, sondern auch Braunbären und Wildschweinen als Nahrung.
Wildkatzen, Luchse, Schlangen, Füchse, Wölfe und Raubvögel jagten Mäuse, Hasen und andere kleine Säugetiere, die eine große Vermehrungsrate haben. Da ihnen in erster Linie kranke und schwache Tiere zum Opfer fielen, blieben die Populationen der Beutetiere gesund.
In dieser natürlichen Lebensgemeinschaft des mitteleuropäischen Waldes blieb das Gleichgewicht der Arten erhalten – keine Tierart vermehrte sich zu stark oder wurde ausgerottet.

Doch dann kommt der Mensch und ordnet das Leben im Wald neu. Er plant und organisiert Baum-Massenhinrichtungen und übernimmt die Aufzucht des „reinrassigen“ Nachwuchses. Er sorgt konsequent für die „Gesundheit“ des willkommenen Lebens – durch unbarmherzige Vernichtung des unwillkommenen.
Dass diese „Gesundheit“ aber labil ist, mussten viele WaldbesitzerInnen in den letzten Jahrzehnten bestürzt zur Kenntnis nehmen. Gift, Kalk, Düngung, Bewässerung und Nistkästen können zerstörte Vielfalt nicht ersetzen.

Was haben die Fichtenmonokulturen dem Wald gebracht?
Bodenversauerung, Verlust des Bodenlebens und damit Millionen Tonnen „unverdauten“ Nadelabfalls, Erosion, Hochwasser, Lawinen und Muren, weniger Sauerstoffproduktion, Schädlingsmassenbefall (und die darauf folgende Umweltverschmutzung durch Gift- und Verbrennungsaktionen), und natürlich Artenverluste.
Für die allermeisten Vogel- und Schmetterlingsarten z.B. ist der Fichtenforst kein Ort zum Überleben: Es fehlt vor Allem an Nahrung.

Nach dem Wissensstand der NaturforscherInnen sind heute in Österreich – nicht nur, aber auch – durch einseitige Waldbewirtschaftung 2382 Tierarten in ihrer Existenz bedroht oder sogar bereits ausgerottet: 46% aller Wirbeltierarten, 55% der Vögel, 56% der Fische, 92% der Reptilien und 100% der Amphibien.

B. Der Mensch braucht den Wald – Der Wald braucht den Menschen nicht

Der Wald ist die natürliche Vegetation Mitteleuropas. Wie alle Naturlandschaften existiert er unabhängig von menschlicher „Pflege“ (während Kulturlandschaft zu ihrer Erhaltung den Menschen braucht). Urwälder haben fast ganz Österreich bedeckt, bevor der Mensch sesshaft geworden ist und Siedlungs-, Acker- und Weideflächen gerodet hat.
Die heutigen Waldreste sind meist schon lange (mehr als 100 Jahre lang) nicht mehr naturnah und bestehen oft aus Fichtenmonokulturen.
Die biotischen und abiotischen Schäden sind dementsprechend groß.

Studien zeigen, dass Stabilität, Flexibilität (Resilienz) und Produktivität naturnah bewirtschafteter Wälder größer ist. Ein naturnah bewirtschafteter Wald übt auch alle vom Menschen benötigten Schutzfunktionen wie Schutz vor Lawinen, Erosion, Windwirkungen, Austrocknung, Muren u.a. am besten aus.
In einem naturnah bewirtschafteten Wald bleibt der Boden gesund und fruchtbar und reiche, selbständige Verjüngung (Naturverjüngung) ist die Regel.
Ein solcher Wald erträgt Wildverbiss viel leichter, weil die Produktion der Biomasse groß genug ist.

Der naturnah bewirtschaftete Wald ist Rückzugsgebiet und Genreservoir für viele in der Kultursteppe bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Er ist auch der wichtigste heimische „Klimaschützer“, der Kohlendioxid aus der Luft langfristig in Holz und Humus einbaut, dabei Sauerstoff frei setzt und für Regenwolken sorgt.

Aber der Weg zum naturnahen Wald ist lang und nicht immer leicht. Die Waldbauern/bäuerinnen und WaldbesitzerInnen brauchen, um ihn zu gehen, die Unterstützung durch die gesamte Gesellschaft.

Mögliche erste Schritte bei der „Umstellung“ auf naturnahe Waldwirtschaft (= Überführung in Dauerwald) im eigenen Wald sind die Anlage von Versuchsflächen, die Feststellung standortgerechter Baumarten und Jungpflanzen, die Einrichtung der eigenen Waldbaumschule und eine geeignete Dokumentation.

Wichtige Merkmale von naturnah bewirtschafteten Wäldern sind u.a.:

  • Standortgerechte Artenzusammensetzung statt Fichtenmonokultur
  • Naturverjüngung statt Aufforstung
  • Dickungspflege statt gleichmäßiger Auslichtung
  • Stufenaufbau, Mosaikstruktur statt Altersklassenwald
  • Einzelstammentnahme, Plentern, Femelhieb statt großer Kahlschläge
  • Boden schonende Holzernte statt schwerer Erntemaschinen

 

Pro Silva Austria
Pro Silva Austria ist die regionale Vereinigung naturnah denkender und handelnder WaldeigentümerInnen und Forstleute in Europa.

Zu den Herausforderungen gehört, den Wald als ganzheitliches Ökosystem zu sehen und respektvoll damit umzugehen. Ziel ist es, den Wald als Kulturlandschaft zu erhalten und naturnahe Lebens- und Erholungsräume zu schaffen.

Naturnahe Waldwirtschaft in allen Besitzgrößen soll eine umfassende Pflege und schonende Nutzung des Waldes erwirken (Dauerwald).
Pro Silva Austria organisiert Tagungen und führt Exkursionen zu Beispielsflächen im In- und AuslanQuellen:d durch, um die Anwendung dieser Leitidee zu fördern.

Kontakt: Pro Silva Austria, Naturnahe Waldwirtschaft, ProSilvaAustria.at

Was Nicht-WaldbesitzerInnen tun können:
Naturnah bewirtschaftete, stufig aufgebaute, artenreiche Wälder besuchen.
Ökologische Zusammenhänge kennenlernen, wertschätzend dokumentieren, darüber reden, schreiben.
In der eigenen Gemeinde die naturnahe Waldwirtschaft zum (Bildungs-)Thema machen.
Exkursionen in naturnah bewirtschaftete Wälder organisieren.
Bei der (naturnahen) Waldarbeit mitwirken.

C. Der naturnahe Wald – eine bunte Gesellschaft

Wenn es keine Menschen gäbe, wäre fast ganz Mitteleuropa von unterschiedlichen Urwald-Gesellschaften bedeckt.
Auch jeder einzelne naturnah bewirtschaftete Wald stellt eine ganz bestimmte Gesellschaft charakteristischer Lebewesen dar, deren Existenz voneinander anhängt.
In jedem Waldtyp gibt es ganz bestimmte dominierende und begleitende Baumarten (siehe Graphik), Sträucher, Kletterpflanzen, Waldblumen, Moose, Flechten, Farne und Pilze, ja sogar typische KleinleQuellen:bewesen wie Bodenbakterien – und natürlich die charakteristischen Groß- und Kleinsäugetiere, Sing- und Raubvögel, Kriechtiere, Lurche, Insekten…

Manche Tiere haben die Fähigkeit, in verschiedenartigen naturnahen Waldgesellschaften zu leben, andere aber sind „Spezialisten“ und auf ganz bestimmte, eng begrenzte Lebensbedingungen angewiesen.
Wenn sich die Lebensbedingungen ändern, z.B. durch eine Veränderung der Waldbewirtschaftung, kommen diese Spezialisten unter den Pflanzen und Tieren in Schwierigkeiten. Hunderte und Tausende von Jahren haben sie und ihre „Vorfahren“ in diesem naturnahen Wald, bei ganz bestimmten Boden- und Kleinklimaverhältnissen gelebt, sich vermehrt und ihre Erbeigenschaften ganz an diese Gegebenheiten angepasst.

Ein Waldbaum, dessen Eltern und Großeltern schon in derselben Waldregion zu Hause waren, ist an diesem Standort gesund und widerstandsfähig.
Ein Bergahorn oder eine Tanne aus dem Böhmerwald hat nicht die gleiche genetische Struktur wie eine Tanne oder ein Bergahorn aus dem Grazer Bergland. Waldbäume sind für weit entfernte Standorte nicht gut geeignet. Wenn sie an Standorten gepflanzt werden, an deren Boden- und Klimaverhältnisse sie nicht angepasst sind, gedeihen sie schlechter, können leicht krank werden und vermehren sich oft nicht.

In einem sich natürlich verjüngenden Mischwald wachsen ausschließlich standortangepasste und daher widerstandsfähige Waldbäume: als „Kinder ihrer Eltern im Familienverband“ sozusagen. Millionen Samen fallen auf den Waldboden, und wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, keimt der Same und der Baumschössling erblickt das Licht der Welt.

D. Unglaublich klein und kraftvoll: Die Samen der Waldbäume

Bis ein Baum ins vermehrungsfähige Alter kommt, vergeht eine lange Zeit: Buchen können erst mit 60-70 Jahren Samen produzieren, Eichen und Tannen erst mit 70-80 Jahren, Fichten ab 50-60 Jahren. Bergahorn und Edelkastanie werfen frühestens mit 40-50 Jahren die ersten Früchte ab, während Birken und Pappeln bereits nach 20 Jahren fortpflanzungsfähig sind.

Die Mehrzahl der heimischen Baumarten produziert Samen periodisch, das heißt alle paar Jahre nach einem bestimmten Rhythmus, der vom Klima und anderen weitgehend unbekannten Faktoren abhängt. In einem fruchtbaren Jahr liegen auf dem Boden des naturnahen Waldes unzählig viele Samen. Die meisten dienen anderen Lebewesen als Nahrung, und nur aus wenigen von ihnen werden große Bäume werden.

Die Baumsamen der einzelnen Arten sind sehr verschieden „verpackt“. Große schwere Edelkastanien und Eicheln unterscheiden sich sehr von zarten leichten Birken- und Pappel“früchten“.
Die Baumfrüchte sind nicht nur als Nahrung für den jungen Keimling gedacht, sondern auch als Nahrung für Waldtiere. Bucheckern, Haselnüsse, Eicheln und Kastanien sind wichtiges Futter für Bären und Wildschweine, Siebenschläfer, Eichhörnchen, Mäuse und Dachse. Ja sogar der Fuchs verschmäht pflanzliche Zuspeisen in Form von Baumfrüchten oder Strauchbeeren keineswegs.

Damit der Prozess des Keimens eingeleitet wird, bedarf es ganz bestimmter günstiger Temperatur-, Feuchtigkeits- und Lichtverhältnisse. Dann nimmt die Samenhülle Wasser auf, die Samen schwellen an, der entstandene Keimling drängt sich hervor. Er bildet rasch die Keimblätter und erste Wurzeln aus, damit er mit Luft, Sonnenlicht und Boden in Beziehung treten kann. Denn die Kraftreserven, die der Same von der Mutterpflanze mitbekommen hat, sind bald verbraucht, und der Keimling muss selbst beginnen, Energie und Substanzen aus seiner Umgebung aufzunehmen, umzuwandeln und wieder abzugeben (Stoffwechsel), vor allem Fotosynthese, Wasser- und Mineralstoffwechsel durchzuführen.
Die jungen Keimlinge sind sehr empfindlich und fallen oft scharenweise ihren Fressfeinden zum Opfer. Die kräftigsten und gesündesten aber überleben und wachsen in strenger Konkurrenz zueinander heran.

Die Samen der so genannten Pionierbäume sind leicht und fliegen bis zu Hunderten Kilometern weit. Birken-, Weiden- und Pappelsamen keimen auch auf bloßem, besonntem Boden schnell und stellen geringe Ansprüche an den Humusgehalt. Sie brauchen keinen Schatten, wachsen rasch, haben aber eine relativ kurze Lebenserwartung.
In ihrem Schatten und mit Hilfe ihres „Abfalls“ können anspruchsvollere Waldbaumsamen keimen.
So entsteht – nach entsprechend langer Zeit – aus (fast) jeder Landschaft Mitteleuropas wieder naturnaher Wald, wenn der Mensch nicht eingreift.
Ausgenommen sind u. a. die Gebiete über der Waldgrenze, Überschwemmungs-, Sumpf- und Moorflächen sowie natürliche Steppengebiete.

Dass aus einem kleinen unscheinbaren Samenkorn nur mit Hilfe von Sonnenlicht, Kohlendioxid, Wasser, Mineralien und organischen Abfällen ein großer Waldbaum werden kann, ist eigentlich unglaublich.

Den ersten Lebensabschnitt junger Waldbäume kann man miterleben, wenn man Baumsamen in einer Kiste mit Walderde, die mit Laubmulch bedeckt wird, keimen lässt. Die Baumsamen sammelt man vom Sommer bis zum Herbst und sät sie laufend in die vorbereitete Kiste aus.
Die Kiste wird der Witterung ausgesetzt, das heißt im Freien aufgestellt. Bei Trockenheit sollte man gießen oder wenn möglich Schnee darauf häufen. Im Frühjahr zeigen sich die ersten Sämlinge.

E. Die vier wichtigsten Aufgabenbereiche des Waldes

  • Lebensraum für Pflanzen, Tiere, Pilze, Mikroorganismen
  • Schutz Klimaschutz (CO2-Senke), Wasserreinigung und –speicherung, Schutz vor Lawinen, Hochwasser und Muren, …
  • Wohlfahrt ideeller und seelischer „Nutzen“, Erholung, Erbauung, Lernen, …
  • Nutzung Holz, Heilpflanzen, Honig, Wild, Arbeitsplatz, Forschungsstätte, …

F. Sonnenkraftwerk und Klimaschützer: Das Laubblatt

„Der Stoff, der den Pflanzen die grüne Farbe verleiht, ist das Blattgrün oder Chlorophyll. Ohne diesen Farbstoff ist unser Leben undenkbar. Das Chlorophyll liegt zu Rollen gestapelt in den Chloroplasten unter der meist dünnen Blattoberfläche in langgestreckten Zellen, dem Palisadengewebe. Aber auch in den rundlich geformten darunter liegenden Zellen des Schwammgewebes ist es zu finden. Mit Hilfe der eingefangenen Sonnenenergie vermögen die Chloroplasten aus den anorganischen Substanzen Kohlendioxid und Wasser organischen Zucker, und zwar Glukose, aufzubauen, von dem sich nicht nur Pflanzen, sondern nahezu alle Lebewesen der Welt ernähren. (Sauerstoff wird dabei frei.)

Unentbehrlich für diese Synthese ist Kohlendioxid, das gasförmig mit etwa 0,03 (inzwischen fast 0,04) Volumenprozenten in der Atmosphäre vorhanden ist. Durch winzige Atemporen, so genannte Spaltöffnungen, gelangt es direkt zu den Chloroplasten.

Das ebenfalls benötigte Wasser mit den darin gelösten Mineralien nimmt die Pflanze über die Wurzeln aus dem Boden auf. Durch Wasserleitungsbahnen, die in den Adern der Blätter verlaufen, gelangt es in jede einzelne Zelle und zu den Chloroplasten.

Da das Sonnenlicht als Energiespender beteiligt ist, wird dieser lebensbedingende Vorgang Fotosynthese genannt (photo- = Licht). Als Nebenprodukt dieser Synthese entsteht der für uns ebenfalls notwendige Sauerstoff. Er wird durch die Spaltöffnungen der Blätter an die Luft abgegeben, die wir schließlich einatmen.

Während der Gasaustausch durch eine Vielzahl der meist an der Blattunterseite gelegenen Spaltöffnungen – etwa 35.000 auf einem Eichenblatt – geschieht, ist die Blattoberseite mit einer Wachsschicht versehen, die Wasser abweisend ist. Das Blatt regelt die Wasserdampfabgabe durch Öffnen und Schließen der Spaltöffnungen. Da die Aufnahme von Kohlendioxid und die Abgabe von Sauerstoff ebenso durch die Spaltöffnungen erfolgt, ist der Gasaustausch bei vielen Arten von der Transpiration – der aktiven Abgabe von Wasserdampf durch die Pflanze – abhängig. Bei trockenem und windigem Wetter hält das Blatt seine Öffnungen geschlossen und verhindert somit gleichzeitig den Austausch von Gasen und die Abgabe von Wasserdampf.

Die Betrachtung dieser einmaligen Fähigkeit des Aufbaus organischer Moleküle aus anorganischen Ausgangsstoffen durch die Pflanzen führt zur Achtung vor dem Wunder, das grüne Blätter vollbringen. Nur sie sind imstande, sich den Überfluss der Sonnenenergie nutzbar zu machen und sich von Licht, Luft (Kohlendioxid der Luft) und Wasser zu ernähren. Mit Hilfe von Stickstoff, Schwefel, Phosphor, Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen bauen Zucker und alle anderen Stoffe auf, aus denen sie bestehen, und scheiden gleichzeitig Sauerstoff aus, der für uns lebensnotwendig ist.

Grüne Blätter sind als Schöpfer organischer Substanz die Gegenspieler der gesamten hungrigen Tier- und Menschenwelt und liefern immer wieder nach, was diese Arten um zu leben, verbraucht haben.

Noch einmal: Pflanzen sind die absolute Grundlage allen Lebens auf der Erde. Auch wenn wir Rindfleisch essen, unterhalten wir unseren Stoffwechsel mit der in den Muskelfasern des Rindes gespeicherten Energie, die das Rind durch das gefressene Gras gebildet hat. Die Endprodukte unserer Verdauung sind wieder Kohlendioxid und in Wasser gelöste einfache Stickstoffverbindungen. Kohlendioxid atmen wir aus, Wasser scheiden wir als Schweiß oder Harn aus – Nährstoffe für die Pflanzen, die sie zur Fotosynthese benötigen und die den Kreislauf schließen.

Um diesen globalen Kreislauf in Gang zu halten, benötigen die Pflanzen weniger als ein Prozent der auf die Erde eingestrahlten Sonnenenergie. Die Zuckerproduktion aller grünen Pflanzen unseres Erdballs beträgt dabei 150 Milliarden Tonnen pro Jahr. Damit stellt sie die Produktion menschlicher Industrien weit in den Schatten. Die Stahlproduktion beträgt weltweit beispielsweise nur etwa 350 Millionen Tonnen pro Jahr.

Die Bedeutung der Fotosynthese für die Natur ist verhältnismäßig spät erkannt worden. Bis ins 18. Jahrhundert hinein nahm man an, dass sich die Pflanzen allein von Erde und Wasser ernähren. Erst 1779 entdeckte der holländische Arzt Jan Ingenhousz die Leistungen der Fotosynthese: Die Bildung von Zucker aus Kohlendioxid und Wasser und gleichzeitig die Ausscheidung von Sauerstoff durch belichtete grüne Blätter.
Die künstliche Herstellung von Chlorophyll gelang erst im Jahr 1960, fast gleichzeitig in Deutschland und in den USA.“ Aus „Blatt für Blatt“, Kiedrowski/Villwork, Augustus-Verlag

G. Der Wald als CO2-Senke

Ein ausgewachsener frei stehender Laubbaum kann pro Sonnenstunde 2,3 kg CO2 und fast 1 l Wasser verarbeiten, dabei werden mehr als 25.000 Joule an Sonnenenergie eingesetzt und 1,6 kg Traubenzucker und 1,6 kg Sauerstoff produziert.
Die Leistung von Nadelbäumen, von nicht ausgewachsenen Bäumen sowie von nicht frei stehenden Bäumen im Wald ist naturgemäß geringer.

Die (langfristige) CO2-Fixierung im Holz eines Waldbaums wird in Mitteleuropa mit 10 kg C02/Jahr angenommen. (Der Kohlenstoffgehalt von Holz kann mit 50% angenommen werden.)

Ein mitteleuropäischer Wald mit ausgewachsenen Bäumen fixiert in Holz und Boden durchschnittlich pro Hektar 6 Tonnen CO2/Jahr, wobei 30-40% des CO2 im Boden als Dauerhumus langfristig der Atmosphäre entzogen werden. Neu angelegte Gehölze wie Hecken fixieren ca. 1,7 t CO2/ha/Jahr.

Wald und andere Gehölze, auch Grünland, sind „CO2-Senken“, während Ackerland, vor allem konventionell bewirtschaftetes, wesentlich mehr CO2 frei setzt als bindet.

Bei der energetischen Holznutzung (Verbrennung zu Heizzwecken) von 1 m3 Holz wird die Freisetzung von 0,6 Tonnen C02 (aus fossilen Energieträgern) vermieden.

Bei der Verwendung von Holz als Baustoff hat 1 m3 Holz ein Vermeidungspotenzial von 1 Tonne C02.

Quellen: im Text zitiert und „Initiative Blattwerk“



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