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10 Mrz 2020

Mit Kleinklimazonen mediterrane Pflanzen anbauen – Biotopica Farm


Falls Du schon einmal davon gehört hast, dass Orangenbäume, Zitronen oder Avocado den Winter ohne Schaden in unseren Breitengraden überstehen, dann waren höchstwahrscheinlich Kleinklimazonen involviert.

In diesem Artikel gehen wir dem Mythos der Kleinklimazonen auf den Grund. Was es damit auf sich hat und wie Du in Deinem Garten Kleinklimazonen erschaffst, die Dir einen mediterranen Flair ermöglichen, erfährst Du hier.

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Kleinklimazonen sind Bereiche im Garten, die ein anderes Klima aufweisen und es dadurch möglich wird Pflanzen mit speziellen Ansprüchen anzubauen, sowie Rückzugsgebiete für Insekten zu erschaffen, die besondere Bedürfnisse an das Klima stellen. 

Mithilfe von Steinen, Böden in unterschiedlichen Zusammensetzungen, Bäume, Hecken und Pflanzen, die Wind- und Wetter abschirmen wird es möglich, selbst mediterrane Pflanzen anzubauen.

Durch blockieren von Wind- und Wettereinflüssen wird Sonnenlicht und Wärme eingefangen, in Steinen gespeichert und die Umgebungstemperaturen erhöht. 

Ist das Gebiet auch auf die Sonneneinstrahlung im Winter ausgerichtet, kann sogar Frost minimiert und vorgebeugt werden. So können sogar mediterrane Pflanzen, wie Zitrusfrüchte in unseren Breitengraden überwintern und benötigen nur minimalen Schutz in der kalten Jahreszeit.

Ein Teich, Bachlauf oder ein offenes Wassersammelbecken kann für eine höhere Luftfeuchtigkeit in der Umgebung sorgen und sich auf das Wachstum von Pflanzen positiv auswirken.

Aber nicht nur für Pflanzen, Bäume und Co. ist diese Technik optimal, sondern auch für Insekten, die spezielle Ansprüche an ihre Umgebung haben und bei uns so selten geworden sind, dass wir ihren Lebensraum einen Platz in unseren Garten verschaffen möchten. 

Viele Nützlinge benötigen konstante Temperaturen und einen trockenen Unterschlupf, um zu überwintern.

Durch die Erschaffung von Kleinklimazonen erhalten wir verschieden Areale im Garten, die ihn mit bedrohten Insekten und Pflanzen bereichern können. 

Sanddorn

Wie funktionieren Kleinklimazonen?

Kleinklimazonen sind komplex und erfordern eine genaue Beobachtung der herrschenden Umweltverhältnisse von Deinem Garten.

Sonnenverlauf, Windeinflüsse, Gefälle, die das Regenwasser abfließen lassen oder einfangen, sowie Bodenbeschaffenheit, Wärmekollektoren, wie Steine und harte Böden, sowie Wasseransammlungen in größeren Mengen sind Faktoren die Kleinklimazonen beeinflussen.

Stelle Dir ein Zelt in der prallen Sonne, das mit Wasser gefüllt ist, vor!

Die Hitze, die sich nach kurzer Zeit im inneren ansammelt lässt das Wasser verdunsten. Die Wände werden feucht, denn es fehlt Wind, der die Feuchtigkeit verweht, somit tropft das Wasser wieder in das Zeltinnere und bleibt an Ort und Stelle erhalten.

Natürlich gibt es auch bei Kleinklimazonen einen Luftaustausch, der Feuchtigkeit und Wärme abtransportiert, jedoch bleibt ein wenig Feuchtigkeit, sowie Wärme in der Umgebung erhalten und zirkuliert über dem Entstehungsgebiet. 

Es ist kein geschlossenes System, somit haben wir immer einen Wärme- und Feuchtigkeitsverlust. Was bleibt sind minimale Unterschiede, die ein Mensch nur schwer wahrnehmen kann, dafür Pflanzen, Bäume und Insekten umso mehr.

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Wie gestalte ich Kleinklimazonen im Garten?

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Eine warme und trockene Fläche für mediterrane Pflanzen, Wildbienen und für eine frühe Ernte bilden

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Zuerst beobachtest Du den Sonnenverlauf, im Sommer, sowie im Winter. 

Wie kannst Du Dein Beet  ideal ausrichten, damit es den ganzen Tag Sonneneinstrahlung erhält?

Stelle Dir danach die Frage aus welcher Richtung kommt der Wind? In welchen Winkel prasselt Sturmregen bei Dir nieder?

Blockiere beide Faktoren, Wind und Regen, mit Hilfe von natürlichen Materialien. 

So erzeugst Du einen geschützten Bereich.

Mit Steinen ein Beet zu umranden oder mit Hecken, Büsche, Bäume oder Sichtschutzwände Wind zu blockieren sorgt dafür, dass der Boden von Winderosion verschont bleibt. 

Jungpflanzen haben dadurch bessere Chancen ungehindert zu wachsen, denn der Boden trocknet durch die Verwehung nicht zu schnell aus und trägt sich ab, auch die Stengel von jungen Pflanzen brechen in windstarken Gebieten nicht und können mehr Kraft für ihr Wachstum aufwenden.

Selten gewordene Wildbienen, wie z.B.: die Weiden-Sandbiene kannst Du somit einen Unterschlupf geben und für zusätzliche Bestäuber im Garten sorgen, die Dir Deine Ernte heimlich erhöhen.

Eine karge Fläche mit Schutt, Steine und lehmigen Boden, die vor Wind und Regen geschützt liegt ist für Wildblumen und Wildbienen attraktiv, kann aber auch für den Anbau von mediterranen Pflanzen genutzt werden.

Zitronen, Orangen, Rosmarin, Thymian, Hibiskus und Wein sind nur einige Vertreter, denen hiermit ein optimaler Standort angeboten wird. Einige Pflanzen, die nur im Gewächshaus wachsen würden, kannst Du somit auch bei wenig Platz draußen anbauen. 

Vielleicht hast Du Inspirationen von Deinem letzten Urlaub mitgenommen und eine besondere Pflanze im Kopf, die Du gerne in Deinen Garten setzen möchtest? 

Probiere es mit dieser Methode!

Ich habe damit meinem Zitronenbäumchen, das im Haus den Winter über immer gelitten hat, endlich einen optimalen Standort bescheren können. Chili, Aubergine und Paprika lieben diese Methode und wachsen endlich auch bei uns außerhalb des Gewächshauses.

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Mit der Kleinklimazone für trockene und warme Bereiche wird die Erntesaison verfrüht und ausgedehnt, somit könntest Du auch ganze Beete erschaffen, die sich in einer Kleinklimazone befinden und Deinen Ernteertrag massiv steigern.

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Für Gärten, die Probleme mit Winderosion und heftigen Stürmen haben kannst Du somit in eine optimale Anbaufläche verwandeln. 

Auch für trockene Gärten kann diese Methode nützlich sein, denn sie verhindert die Austrocknung durch Umwelteinflüsse. Ein Regenschauer kann effektiver wirken und auch die Bewässerung hält länger den Boden feucht.

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Die Luftfeuchtigkeit in der Umgebung erhöhen und Pflanzen einen Wachstumsschub geben, sowie Insektensterben vorbeugen

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Jeder sollte einen Bereich im Garten besitzen, der Insekten und Tiere mit Wasser versorgt. 

Im Gegensatz zur trockenen Kleinklimazone sollten Wasserbecken niemals der vollen Sonneneinstrahlung ausgeliefert sein. Algen, sowie die Verdunstungsrate erhöhen sich dadurch und hinterlassen nur noch ein stinkendes Schlammloch. 

Eine Abschirmung der Sonne mit Hilfe von Bäumen, wie Weiden ist ideal. Bienen lieben sie, Tiere und Insekten finden einen Unterschlupf und natürlich erhalten wir Material für Körbe oder Beetumrandungen. 

Auf dieselbe Weise hilft uns Schilf, um den Teichrand zu kühlen und die Verdunstungsrate zu senken. Du erschaffst wieder einen natürlichen Schutzraum für Tiere und bekommst Material zum flechten für Schilfmatten, die man als Unterlage zum trocknen von Obst und Gemüse verwenden kann.

Obstbäume und Nussbäume sind ungeeignet. Ihre Früchte können vermehrt ins Wasser gelangen und erhöhen so den Nährstoffgehalt des Gewässers, was zu einer Algenbildung führt und den Sauerstoffgehalt senkt. Der Teich könnte kippen und das Leben in ihm zum absterben bringen.

Du kannst mit eingestampften Lehm Feuchtgebiete erschaffen, in denen sich das Wasser auch bei Hanglage hält.

Kleinere Wassermengen werden jedoch im Sommer schnell verdunstet sein, deshalb empfehle ich Dir richtige Teiche und Becken anzulegen. Die Wassermassen drücken den angestapften Lehm zusammen und die Poren verschließen sich zu einer wasserdichten Schlammschicht.

Hierfür benötigst Du viel Lehm, denn um eine wasserdichte Lehmschicht zu erhalten sollte sie mindestens 50 cm dick sein.

Grabe ein Zulauf, sowie ein Ablaufsystem in den Boden, damit sich der Teich mit Regenwasser füllen kann und ablaufen kann, falls die Uferzone zu überschwemmen beginnt.

Gräben bildest du mit Hilfe von ausgehobener und angestapfter Erde. Idealerweise mit einer Lehmschicht versehen, damit das Wasser gut gleitet.

Gräben, Swales in der Permakultur

Die Abläufe können zu Bäume oder durch Beete geleitet werden, damit diese automatisch mit Wasser versorgt werden. Siehe Bild!

Beete und Bäume in Teichnähe gedeihen besonders gut, denn hier haben wir wieder den Zelteffekt. 

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Das Wasser verdunstet und ein Teil der Feuchtigkeit bleibt an den Pflanzen in der Umgebung hängen. Es wird ein tropisches Klima erschaffen, das einen Hauch von Regenwald erahnen lässt.

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Spargelpflanzen wachsen ergiebiger und verholzen in der Nähe von Gewässern nicht so schnell. Siehe Bild unten!

Jedoch wächst alles ausgesprochen gut, was Feuchtigkeit liebt und ein Richtig oder Falsch in der Pflanzenwahl gibt es nicht, wenn man das beachtet.

Spargelpflanze

Achte darauf, dass die Gartenerde von den Beeten nicht in das Wasser geschwemmt wird und lege Gräben an, damit Regenwasser abfließen kann. Gartenerde ist zu nährstoffreich für Gewässer und lässt Teiche kippen.

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Welche Materialien sind für die Erschaffung von Kleinklimazonen ideal?

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-unbewirtschaftete Wiesenflächen, die nur einmal am Jahresende mit einer Sense gemäht werden

-Steine und Schutt als Wärmekollektoren

Lehm, sowie Magerungen aus Sand, Stroh, Keramik

-Holz: Stämme, Bretter, Bolen als Sichtschutz oder auch Zäune blockieren Umwelteinflüsse

-Hecken, z.B. aus Wildobst: Schlehe, Zierquitte, Brombeere, Himbeere, Hagebutte, Sanddorn, Goji etc.

-Obstbäume jeglicher Art, auch gerne historische Sorten um deren Erhalt zu sichern, wie Felsenbirne, Quitte, Mispel (Bild unten.), Elsbeere, Wildapfel etc.

-Nussbäume: Walnuss, Haselnuss, Esskastanie, Mandel etc.

-Nadelbäume, sie wirken mit ihren ätherischen Ölen für viele Tiere als Vorbeugung gegen Krankheiten- und Parasitenbefall z.B. Tanne, Fichte, Kiefer etc.

-Weiden und Weidenskulpturen

-Pflanzen mit einer Wuchshöhe bis 2 Meter eignen sich gut, um in Beeten Kleinklimazonen abzutrennen. z.B. Artischocke, Sonnenblume, Pampasgras, Stockrose, Schilfrohr, Bambus etc.

Mispel

Natürliche Materialien gebrauche ich am liebsten um meinen Garten zu strukturieren, aber ich kenne auch viele Gärten, die mit recycelten Materialien arbeiten und das verwenden, was sie vor Ort finden.

Einen geschützten Raum für Tiere und Pflanzen zu schaffen, die besondere Ansprüche an die Umwelt setzen, bringt Dir mehr Vielfalt in Deinen Garten und hilft der Natur sich zu regenerieren. Wildbienen werden immer seltener und dadurch verringert sich auch die Bildung von Saatgut. 

Vielfalt bringt Leben und Sicherheit. 

Manchmal genügt auch schon eine einfache Hauswand, um Wärme gezielt zu speichern und für Pflanzen und Insekten zu Gute kommen zu lassen. Du findest sicher in Deinem Garten Orte an denen Du eine ideale Kleinklimazone erschaffen kannst. 

Also, ab in den Garten mit Dir.

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Die Natur braucht Dich!

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