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25 Feb 2019

Mein Alltag auf einem Bauernhof – Biotopica Farm

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Vor fast 6 Jahren haben wir Berlin den Rücken zugewandt und sind mit unserer kleinen Familie aufgebrochen, in ein neues Abenteuer: Einen eigenen Selbstversorger Hof aufzubauen.

Mittlerweile sind wir schon einmal umgezogen mit unserem kompletten Hof, samt Tiere und haben zwei Bauernhöfe von Grund auf neugestaltet.

Nach dem Umzug stellt sich wieder schnell der Alltag ein: Hühner, Ziegen und Schafe füttern, Holz hacken, Öfen anheizen, Gemüse Ernten und Einkochen und natürlich meinen Familien-Alltag bewältigen, sind nur einiger meiner Aufgaben, die ich auf unseren Hof meistens auf mich allein gestellt bewältige.

Heute möchte ich euch gerne einen privaten Einblick in meinen Alltag geben, vielleicht hat der ein oder andere Tipps und Ratschläge für mich, denn trotz jahrelanger Erfahrung lerne ich immer noch dazu.

Das was ich hier schreibe ändert sich mit jeder Saison und Situation, denn das Leben ist nicht planbar.

Meine morgendliche Routine

Für diejenigen, die neu hier sind stelle ich mich kurz vor:

Ich heiße Nicole, bin in Berlin geboren und habe zusammen mit meinem niederländisch-indonesischen Mann, zwei wunderschöne Kinder, einen Traktor begeisterten Sohn von 5 Jahren und ein Hühnerverrücktes Mädel von 2 Jahren. Während mein Mann fleißig seinem Doktortitel nachjagt, hüte ich den Hof und arbeite als Selbstständige am Computer von Zuhause aus, um mein Grundeinkommen zu decken.

Da mein Mann, noch bevor die Sonne aufgeht mit der Bahn Richtung Großstadt pendelt, um seinen Job an der Universität aufzunehmen, übernehme ich hauptsächlich die Aufgaben, die auf unseren Hof anfallen.

Mein Tag beginnt erst gegen 7 Uhr mit einer kleinen Meditation, damit jeder Tag gut startet. Danach bereite ich das Frühstück für meine beiden Kinder vor, meistens süß, manchmal herzhaft jedoch immer ohne weißen Zucker, denn von dem haben wir vor über 10 Jahren schon Abschied genommen. Am liebsten süßen wir mit hauseigenem Honig und selbstgemachten Rübensirup.

Im Winter heize ich neben den Frühstücksvorbereitungen unseren Holzofen an, damit wir es gemütlich am Frühstückstisch haben und unser Essen genießen können. Dafür bereite ich am Vortag das Holz zum Anfeuern vor.

Bevor wir los müssen lege noch ein großes Stück Holz in den Ofen und schließe die Luftzufuhr ein wenig, damit das Holz langsamer verbrennt und der Ofen noch warm ist, wenn ich vom Waldkindergarten wieder nach Hause komme.
Meine beiden Kinder lieben den Kindergarten, sie sind jeden Tag in der Natur, basteln, spielen und lernen. Es gab noch keinen Tag, an dem sie nicht hinwollten, denn anscheinend ist nichts so langweilig als Mama auf dem Hof zu helfen. Für meine Kinder ist das Aufwachsen mit Ziegen, Schafen und Hühner so alltäglich wie Zähne putzen, da erhalte ich keine Begeisterungsschreie mehr. Das ist die ernüchternde Wahrheit.

Meine Kinder und ich füttern die Tiere am Morgen gemeinsam, ich übernehme die Schafe und Ziegen und die beiden Kleinen die Hühner.

Viele denken, dass Tiere schon kurz vor Sonnenaufgang gefüttert werden müssten und dass ein Bauer sehr früh aufstehen muss, aber das stimmt nur halb. Wenn Tiere nicht erst aus dem Stall herausgelassen werden müssen, können sie sich natürlich selbst ihr Futter auf der Wiese suchen. Wichtig ist, dass man eine feste Zeit beibehält, zu der es Futter gibt.
Falls du einen Hund hast, weißt du sicher, dass er sich bemerkbar machen wird, sobald du nur wenige Minuten zu spät das Futter hinstellst. Bei Ziegen und Schafen ist das genauso, nur dass sie sich etwas lauter bemerkbar machen werden.

Momentan füttere ich die Tiere bei Sonnenaufgang, denn ich öffne die Hühnerstalltür noch per Hand und gerade im Winter können sie jede Minute an Tageslicht gebrauchen. Für den Sommer installiere ich mir eine automatische Hühnertür, die mit Hilfe einer Zeitschaltuhr auf und zu geht, das erspart mir das frühe Aufstehen um 4 Uhr morgens und schützt die Hühner am Abend vor Raubtieren, für den Fall dass ich doch einmal vergessen sollte, die Tür rechtzeitig zu schließen.

Im Winter bekommt unsere kleine Herde zweimal zwei volle Schubkarren an frischen Bio-Heu, im Sommer dagegen benötigen sie etwas weniger, da die Wiese viel frisches Grünfutter produziert.
Auch hier sollte ich nochmals erwähnen, dass das nicht festgeschrieben werden kann wieviel eine Herde zu Fressen bekommt, denn das liegt an der Beschaffenheit vom Heu und an den Pflanzen, die auf der Wiese wachsen.

Unsere Hühner bekommen einen Eimer mit Bio-Hühnerfutter samt Oregano, denn Kräuter sollen vorbeugend gegen Milben wirken. Gleichzeitig kontrolliere ich die Nistkästen auf Eier, ich kontrolliere die Wasserbehälter, breche im Winter das Eis auf und gebe Wasser dazu oder fülle sie neu auf. Wir haben immer eine Wassertonne in der Scheune stehen, die regelmäßig aufgefüllt und gesäubert wird, so verläuft der tägliche Ablauf schnell und mühelos, denn die Temperaturen in der Scheune bleiben über dem Gefrierpunkt.

Auch wenn das nach viel Arbeit klingt, dauert der gesamte Akt der Tierverpflegung keine 5 Minuten, denn irgendwann läuft alles automatisch ab.

Sobald die Tiere versorgt sind packe ich meine Kinder ein und los geht es zum Waldkindergarten über weite Felder und Wiesen, vorbei an Rinderherden und Windrädern.

Wir halten Ausschau nach Peter, einem wunderschönen, etwas trotteligen Fasan, der in den Schlehenbüschen wohnt und achten darauf, dass uns der aggressive Dachs nicht begegnet, der im Wäldchen seinen Bau hat.

Wenn ich wieder zu Hause angekommen bin ernte ich noch schnell ein paar Futterrüben, Rote Beete oder Blattgemüse, die ich den Tieren über den Zaun gebe, dann nehme ich meinen Hund an die Leine, meine Kameratasche auf die Schulter und laufe Richtung Wald, am Karpfenteich oder am Damhirsch Gehege vorbei.

Zeit für mich und meinen Hof

Unser Hund braucht sein tägliches Training, welches den Umgang mit anderen Menschen, Hunden oder auch Katzen beinhaltet. Wer einen Herdenschutzhund hat, weiß dass diese Hunde nur mit regelmäßigem Training sozial kompatibel sind. Schmackhafte Bestechungen zeigen bei ihnen keine Wirkung, denn das wichtigste ist für sie ihre Herde zu beschützen.
In einem Wolfgebiet, wie unserem sind Herdenschutzhunde die idealen Begleiter für Schäfer.

Obwohl ich Schafe und Ziegen halte, empfinde ich die Rückkehr der Wölfe als eine Bereicherung unserer Fauna.

Wir Menschen sollten endlich lernen mit unserer Umwelt zu leben und nicht uns dagegen zu richten, schließlich haben wir nicht umsonst ein so großes Gehirn entwickelt, das aus schwierigen Situationen eine Lösung für das Wohl aller Lebewesen entwickeln kann.

Auf meinen täglichen Spaziergang mache ich Fotos, besonders Morgennebel und frostige Tage sind es wert auf Kamera festgehalten zu werden.

Normalerweise plane ich meine Woche voraus, jedoch kommen mir auf Spaziergängen die besten Ideen, die ich zu Hause angekommen umsetzen möchte.

Bevor es an die virtuelle Arbeit oder in den Garten geht, hacke ich Kleinholz und fülle die Holzvorräte in der Küche und in meinem Arbeitszimmer auf, denn dort stehen unsere beiden Holzöfen mit denen wir unser gesamtes Haus beheizen.

Zum Mittag ernte ich mir etwas Gemüse aus dem Garten, dass ich auf den vorgeheizten Küchenofen anbrate, indem ich ein paar Stücken Holz nachlege und die Luftzufuhr öffne, damit sich der Ofen schneller aufheizt.
Ich liebe angebratenes Gemüse und könnte es jeden Tag essen, manchmal mit einem frischen Ei dazu.

Was bei mir nicht fehlen darf, sind meine Smoothies, momentan mit Äpfeln aus meiner Vorratskammer, frischen Wildkräutern, wie Vogelmiere und ein großes Stück Bio-Ingwer. Im Sommer dagegen kommen täglich frische Salate auf den Tisch.

Unsere Ernährung ist abhängig vom saisonalen Angebot und erfordert tägliche Kreativität beim Kochen. Eine 4-köpfige Familie isst sehr viel und ich bin unglaublich dankbar, dass ich das meiste unserer Nahrung im Garten anbauen kann, denn sonst würden wir wohl niemals Geld für Reisen haben.

Da ich von zu Hause aus arbeite sind Reisen für mich essentiell, damit mir meine Arbeit auch weiterhin Spaß macht und mein Hof nicht zu einem goldenen Käfig wird, von dem ich niemals wegkomme. Neuer Input ist nötig, um das Wert zuschätzen was man hat.

Ich sitze relativ oft am Computer, schreibe Artikel, bearbeite Fotos und kodiere Webseiten, jedoch kann ich mir meistens aussuchen ob ich nicht den Tag lieber im Garten verbringen möchte und neue Pflanzen ziehe, den Stall ausmiste oder Zäune baue. Ich mag diese Balance.

Nebenbei erledige ich häusliche Aufgaben, wie Wäsche waschen, fegen und Staub wischen, aber bei mir kommt zuerst immer das Vergnügen und das ist meine Arbeit im Garten oder am Computer.

Ich verbringe an manchen Tagen Stunden damit Gemüse anzusäen und arbeite dann wie im Akkord, damit jedes Beet mit Pflanzen gefüllt wird.

Wenn man von Zuhause arbeitet, ist es nötig diszipliniert zu sein, Ausreden gelten nicht und bringen einen nur dazu, dass man sich selbst nicht mehr im Spiegel ansehen kann.

Am Sonntagabend erstelle ich mir einen Wochenplan und arbeite diesen ab, klar gibt es auch Tage, an denen ich eine Aufgabe nicht erfüllen kann aber im Laufe der Woche harke ich diese auf meiner To-Do-Liste ab. Es spricht nichts dagegen mal einen Ruhetag einzulegen und sich mit einem guten Buch unter dem Apfelbaum zu verkriechen, schließlich ist das Leben da um genossen zu werden, jedoch geschieht bei mir alles nur in Absprache mit meinem Gewissen.

Der Tag neigt sich dem Ende zu

Nachdem ich meine Kinder am Nachmittag abgeholt habe, gibt es bei uns etwas Süßes, wie selbstgebackenen Kuchen, fruchtige Eis-Shakes oder Eierkuchen, egal was ich zubereite, ich freue mich am meisten auf meine Tasse Tee.

Danach geht es nochmal raus in den Garten, die Kinder spielen, helfen mir beim Einpflanzen, naschen an den Obststräuchern, ernten Gemüse für das Abendessen oder trampeln auf den Beeten herum und ich sage zum tausendsten Mal „Nicht auf die Bete treten!“.

Irgendwo mittendrin finde ich mich bei den Tieren wieder um ihnen ihr Futter zu geben und den Hühnerstall zu schließen. Meistens begleiten mich meine Kinder dabei, denn eine Fahrt mit der Schubkarre lassen sie sich dann doch nicht entgehen.

Im Winter heize ich den zweiten Ofen an, damit das ganze Haus gemütlich wird und die Wärme sich in jedem Raum verteilt, nehme Gemüse aus unserer Vorratskammer oder den Tiefkühler heraus, freue mich, dass ich im Sommer so fleißig war mit dem Anbau von Gemüse und koche Abendessen.

Vor dem Abendessen trifft mein Mann zu Hause ein und wir genießen zusammen als Familie das Essen von unserer kleinen Farm, im Winter vor dem warmen Küchenofen und im Sommer auf der Terrasse mit Blick über den gesamten Hof.

Sobald die Kinder im Bett sind, geht es im Sommer nochmals raus in den Garten, denn jeder Sonnenstrahl soll genutzt werden, ich pflanze oder bewässere die Beete und genieße die abendliche Ruhe oder sitze im Winter vor dem Kamin mit einem guten Buch und einem Gläschen Met.

Es ist ein idyllisches Leben, das mir auch erst richtig bewusst wird, wenn ich es hier mit euch teile.

Natürlich fallen noch mehr Arbeiten an, wie das Holz beschaffen aus dem Wald, das jährliche Einlagern von Obst und Gemüse, sowie deren Verarbeitung, die Aufstellung der Wasserauffangbehälter, die Reinigung des Gewächshauses, Wolle scheren und die Pflege der Klauen von den Schafen und Ziegen, um nur einige davon zu nennen. Viele Aufgaben bewältigen mein Mann und ich als Team. Die produktivsten Tage sind die Tage an denen mein Mann Urlaub hat, zu zweit kann man einen ganzen Hof versetzen und sich gemeinsam freuen.
Es gibt doch nichts was einen mehr zusammenhält als gemeinsam an einem Traum zu arbeiten.

Seit fast 6 Jahren baue ich für meine Familie Gemüse und Obst an, nie hätte ich gedacht, dass es etwas gibt das mir nicht langweilig wird, aber das habe ich mit meinem Hof gefunden. Dieses Landleben gibt mir so viel: Der Garten gibt mit Entspannung, Holz hacken gibt mir Kraft und die Tiere geben mir Freude, aber das schönste ist die innere Ruhe, die man erhält, wenn man so nah in der Natur lebt.



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